6. Schweizer Plastikausstellung Biel 1975
Vorwort
Fünf Jahre nach der letzten Schweizer Plastikausstellung hat die Stadt Biel wieder die Ehre, eine neue Schau des bildhauerischen Schaffens in unserem Lande zu vermitteln. Zu unserm grossen Bedauern war es dem lnitianten der vorausgegangenen Ausstellungen, Marcel Joray, nicht mehr möglich, das von ihm mit aussergewöhnlichem Enthusiasmus und mit einmaliger Kenntnis der Materie begonnene Werk weiterzuführen. Damit verlor die zur Tradition gewordene Institution ihren geistigen Vater. Die Ausstrahlung der Bieler Plastikausstellung - die hoffentlich fortdauern wird -, und das internationale Ansehen der Schweizer Bildhauer sind Joray's Verdienst. Als kleines Zeichen unserer grossen Dankbarkeit soll ein «Hommage à Marcel Joray›> in der jetzigen Ausstellung einige Werke aus der «Gründerzeit» vereinen.
Sollte dieses Vermächtnis nicht das Schicksal ruhmlosen Untergehens erleiden, musste das Erbe Joray in der einen oder andern Form weiterleben. Die Errichtung einer «Stiftung Schweizerische Plastikausstellung Biel» schien die geeignetste Bürgschaft dafür. Die Bieler Behörden unter der Führung von Stadtpräsident Fritz Stähli haben wesentlich zu deren Entstehung beigetragen. Wir sind ihnen zu grossem Dank verpflichtet. Ebenso wichtig war die Wahl eines neuen Ausstellungsleiters.
ln der Person von Maurice Ziegler aus Zürich haben wir wohl den geeigneten Nachfolger für Marcel Joray gefunden. Die lokale Arbeitsgruppe ist ihm und uns eine wertvolle und auch unentbehrliche Stütze. Mit den erwähnten personellen und funktionellen Änderungen wurde eine Neugestaltung des Ausstellungskonzeptes unumgänglich, und so wird sich Neues in neuer Umgebung präsentieren.
Kunst folgt nicht den Gesetzen überlieferten rationellen Denkens. Noch viel weniger verfolgt sie wirtschaftliche Zwecke oder ökonomische Ziele. Sie ist ganz einfach da: eine Sparte innerhalb geistiger Bedürfnisse des Menschen; Führerin zu neuen Ufern; Mittlerin zwischen Denkbarem und Machbarem, zwischen Gefühl und Realität; Metapher für andere Formen sozialen und gesellschaftlichen Seins; Anregung zur Veränderung unseres Denkens, Sehens, Hörens. So möchte auch diese 6. Schweizer Plastikausstellung den ihr gebührenden Platz im Kunstschaffen unseres Landes einnehmen und behaupten. Sie möge Künstler und Publikum konfrontieren, einander näher bringen und Anlass zu befruchtender Diskussion sein. Nicht zuletzt sei sie ehrenvolle Visitenkarte unserer Stadt Biel.
Es ist mir angenehme Pflicht, herzlichen Dank abzustatten: den städtischen Behörden für ihre materielle, organisatorische und persönliche Hilfe und den damit verpflichteten Mitarbeitern aller Stufen; den kantonalen und eidgenössischen Behörden für ihr grosszügiges Engagement; all den vielen Firmen und privaten Geldgebern in Biel und auswärts, ohne deren Entgegenkommen
kein Ziel greifbar schien; dem Ausstellungsleiter und seinem ganzen, unermüdlichen Stab; den Mitgliedern unseres Stiftungsrates; dem Altstadtleist Biel für sein Verständnis und den unbekannten Vorgängern, welche uns diese schöne Altstadt hinterlassen; alle Künstlern, die am Anfang und am Ende unserer ganzen Bemühungen stehen.
Robert Aeschbacher
Bericht über die Jurierung
Um die SPA sinnvoll und für den Betrachter einigermassen überblickbar zu gestalten, musste eine Auswahl aus den ca. 800 angemeldeten Werken getroffen werden.
Die Repräsentation jedes angemeldeten Künstlers durch ein Werk wurde nach längerer Diskussion als undurchführbar fallengelassen.
Die Jury hat zur Bewältigung ihrer Aufgabe verschiedene Kriterien aufgestellt und die Einsendungen nach Gruppen geordnet.
Für jede Gruppe wurden andere Massstäbe und Wertungen angewandt.ln einer ersten Gruppe befinden sich Werke verschiedener Stilarten, die man als Beispiele «klassischer Modernität» bezeichnen könnte.ln einer zweiten Gruppe wurden Werke zusammengefasst, die nach Ansicht der Jury vorwiegend auf optischen Effekt aufgebaut sind; diese Werke verleihen der Ausstellung einen gewissen Show-Charakter.ln einer dritten Gruppe sind Werke vereint, die als Beispiele neuerer Tendenzen gezeigt werden. Hier kommen vor allem junge Künstler zum Zug; es wurde mehr auf neuartige Formulierung als auf künstlerische Reife geachtet.ln einer vierten Gruppe finden sich Werke mit Objekt-Charakter
und in einer fünften werden Projekte gezeigt, speziell als Beitrag zur «Kunst im öffentlichen Raum».
Torres Manuel - Enlace
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